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Tag 91 — Von Grasleben bis Salzwedel

Tag 35 — Von Sovetsk nach Kaliningrad

Auf unse­rem Weg aus der Stadt hin­aus tref­fen wir auf der Straße die Frau, wel­che uns am Vor­abend mit ihrem Hin­weis auf ein wei­te­res Wohn­heim die ent­schei­dende Hilfe zum Fin­den einer Unter­kunft gege­ben hat. Die Welt ist eben auch in Sovetsk sehr klein.

Tag 8 — Von Vyborg nach Primorsk

Da wir uns auf expli­zite Nach­frage bei der Ein­reise für unse­ren Auf­ent­halt in der Russ­län­di­schen Föde­ra­tion regis­trie­ren las­sen müs­sen, möch­ten wir dies vor unse­rer Abfahrt aus Vyborg auch tun. Die nächste Gele­gen­heit für eine Regis­trie­rung wäre erst wie­der in Sankt Peters­burg und dies wäre nach Aus­sage der rus­si­schen Gren­zer zeit­lich zu spät nach der Ein­reise. Also machen wir uns in Vyborg auf die Suche nach der zustän­di­gen Migra­ti­ons­be­hörde. Wer sollte die Adresse die­ser Ein­rich­tung bes­ser ken­nen als die lokale Poli­zei? Diese scheint zumin­dest in die­sem Punkt nicht bes­ser zu sein als ihr Ruf. Die Wache wim­melt uns ab und hat noch nicht ein­mal einen Stift und Papier, damit wir uns zumin­dest die Adresse notie­ren kön­nen, an wel­che wir ver­wie­sen wer­den.

Die Poli­zis­ten vor der Wache sind auch nicht bes­ser infor­miert als die Kol­le­gen im Inne­ren der Dienst­stelle. Zumin­dest haben sie Stift und Papier, so dass wir uns die Adresse auf­schrei­ben kön­nen, zu wel­cher wir mit unse­rem Anlie­gen erneut ver­wie­sen wer­den.

In der loka­len Dienst­stelle der Migra­ti­ons­be­hörde in Vyborg ist der aktu­elle Kon­flikt in der Ukraine voll prä­sent. Vor und ins­be­son­dere in der Behörde drän­gen sich die Men­schen, um an Stem­pel, Geneh­mi­gun­gen oder sons­tige offi­zi­el­len Doku­mente zu gelan­gen. Ent­spre­chend gering ist die Bereit­schaft der Bediens­te­ten, sich mit dem für Vyborg sicher­lich sel­ten vor­kom­men­den Son­der­fall eines Rad­rei­sen­den aus West­eu­ropa zu beschäf­ti­gen. Nach eini­gen frucht­lo­sen Anläu­fen einen Ansprech­part­ner zu fin­den und aus die­sem die rele­van­ten Infor­ma­tio­nen für den Regis­trie­rungs­pro­zeß zu extra­hie­ren, gehen wir zum Dienst­stel­len­lei­ter. Der hat zufäl­lig Sprech­stunde und des­halb ein paar Minu­ten für uns Zeit. Ergeb­nis des Gesprä­ches: Wir kön­nen ohne Regis­trie­rung wei­ter­fah­ren, da eine sol­che erst nach einem Auf­ent­halt von mehr als 7 Werk­ta­gen der Migra­ti­ons­be­hörde an einem Ort ver­langt wird. Da wir nicht vor­ha­ben an einem Ort län­ger als 7 Werk­tage + die dazwi­schen­lie­gen­den Wochen­en­den zu blei­ben, neh­men wir den Dienst­stel­len­lei­ter beim Wort und ver­ab­schie­den uns ohne Regis­trie­rung aus Vyborg.

Auf­grund der mit dem Regis­trie­rungs­ge­ha­dere ver­bun­de­nen Zeit­ver­lust schaf­fen wir lei­der unser Tages­soll nicht und über­nach­ten am Strand in Pri­morsk.

Tag 6 — Von Helsinki nach Vyborg

Obwohl uns die Bahn­mit­ar­bei­ter in Hel­sinki in den Vor­ta­gen in inten­si­ven und lan­gen Dis­kus­sio­nen von unse­rem Vor­ha­ben abbrin­gen woll­ten, mit dem Las­ten­fahr­rad per Eisen­bahn Rich­tung rus­si­scher Grenze zu fah­ren, fin­den wir heute im Zug sehr schnell einen pas­sen­den Abstell­platz für das Fahr­rad. Nach kur­zer Rück­spra­che mit dem Schaff­ner stel­len wir das Rad in den Zugangs­weg zum Mut­ter-Kind-Abteil. Da die­ser Weg sowohl für die Kin­der­wa­gen als auch Roll­stühle recht breit aus­ge­legt ist, behin­dert das Rad den Zugang zum Abteil nicht.

Wir fah­ren mit dem Zug bis Lap­pe­en­ranta und nach kur­zer Stadt­be­sich­ti­gung von hier aus mit dem Rad wei­ter Rich­tung Osten, Rich­tung rus­si­scher Grenze.

Auf dem Weg zur rus­si­schen Grenze fällt uns die schnell zuneh­mende, hohe Dichte rus­si­scher PKW im Stra­ßen­bild auf. Ebenso über­rascht uns vor der Grenze die Viel­zahl an Geschäf­ten und Super­märk­ten ent­lang der Straße, die sich mit ihrem Ange­bot direkt und aus­schließ­lich an rus­si­sche Kun­den wen­den. In die­sen Geschäf­ten ver­kau­fen Rus­sisch-Mut­ter­sprach­ler mit Arbeits­vi­sum für Finn­land aus­schließ­lich rus­sisch beschrif­tete Waren an Rus­sen. Die Kun­den zah­len mit roten und gel­ben Euro-Schei­nen und erwar­ten keine Cent-Mün­zen im Rück­geld. Finn­land als Bil­lig-Ein­kaufs­land für Rus­sen. Im Ver­gleich zu den End­ver­brau­cher­prei­sen in Deutsch­land sind die Preise in die­sen Super­märk­ten jedoch kei­nes­falls güns­tig. Es erscheint uns recht skur­ril, dass ein gro­ßer Teil der auf rus­sisch eti­ket­tier­ten Ware in Deutsch­land her­ge­stellt wird. Warum Rus­sen nach Finn­land fah­ren, um hier gezielt in Super­märk­ten zum Bei­spiel in Deutsch­land her­ge­stell­ten Buch­wei­zen oder gar in Deutsch­land her­ge­stellte Back­wa­ren zu kau­fen, erschließt sich uns vor Ort nicht. Die Mehr­heit der ange­bo­te­nen Waren wer­den auch in Russ­land her­ge­stellt und soll­ten ins­be­son­dere vor dem Hin­ter­grund der erst kürz­lich erfolg­ten Abwer­tung des Außen­werts des Rubels gegen­über dem Euro in Russ­land deut­lich preis­wer­ter zu erwer­ben sein als in Finn­land. Auf die­sen Umstand ange­spro­chen erklä­ren die Ver­käu­fer uns gegen­über aus der Ukraine zu stam­men und des­halb kei­nen Über­blick über die Preis­struk­tur von All­tags­wa­ren in Russ­land zu besit­zen.

Der Grenz­über­tritt mit dem Fahr­rad über den Grenz­über­gang Nui­ja­maa erweist sich als über­ra­schend pro­blem­los. Wider Erwar­ten wer­den wir nicht her­aus­ge­wun­ken und geson­dert inspi­ziert. Es stellt sich im Gegen­teil als schwie­rig her­aus, kon­krete Infor­ma­tio­nen über not­wen­dige Dekla­ra­tio­nen zur Ein- und Wie­der­aus­fuhr hoch­prei­si­ger Photo- und Video­tech­nik zu erhal­ten. Die rus­si­schen Zoll­be­diens­te­ten sind mit unse­ren dies­be­züg­li­chen Fra­gen sicht­bar über­for­dert. Ent­ge­gen der ein­deu­ti­gen und ein­schlä­gi­gen Infor­ma­tio­nen zu den dies­be­züg­li­chen Ein­fuhr- und Aus­fuhr­be­din­gun­gen in ihrem Schau­kas­ten sind die Uni­for­mier­ten der Mei­nung wir müss­ten für unsere Tech­nik keine Zoll­erklä­rung abge­ben. Da dies in den Vor­jah­ren bei gleich­lau­ten­den Aus­hän­gen jedoch anders gehand­habt wurde, bestehen wir dar­auf zumin­dest einen Teil unse­rer Tech­nik zu dekla­rie­ren. Die sehr spe­zi­el­len Erfah­run­gen an den ver­schie­de­nen rus­si­schen Grenz­über­gangs­stel­len in den 1990er und 2000er Jah­ren bre­chen sich in die­sem Zusam­men­hang im Unter­be­wusst­sein wohl noch Bahn. Lie­ber ein offi­zi­ell gestem­pel­tes Doku­ment zu viel, als eines zu wenig lau­tet hier das Motto aus der Erfah­rung der Ver­gan­gen­heit.

Da die Grenz­ab­fer­ti­gung auf­grund unse­res Wun­sches nach frei­wil­li­ger Zoll­de­kla­ra­tion deut­lich län­ger gedau­ert hat als geplant, schaf­fen wir es an die­sem Tag nicht mehr bis nach Vyborg und über­nach­ten des­halb auf hal­ber Stre­cke das erste Mal auf die­ser Reise im Zelt am Ufer des Sai­maa-Kanals.

Camping in Karelien
Cam­ping in Kare­lien

Tag 3 — Stadtrundfahrt in Helsinki und Bahnfahrtkarten

Nach Ankunft der Fähre in Hel­sinki gilt es zuerst einige Kilo­me­ter vom Ter­mi­nal in die Innen­stadt zu radeln, wo wir unse­ren Gast­ge­ber für die nächs­ten drei Tage tref­fen. Mit die­sem zusam­men erkun­den wir im Anschluss mit dem Rad die Stadt und machen uns mit den ört­li­chen Gege­ben­hei­ten ver­traut. Das Wet­ter ist für diese erste Rund­fahrt zu den Sehens­wür­dig­kei­ten Hel­sin­kis bes­tens geeig­net. Schöns­tes Tou­ris­ten­wet­ter für Post­kar­ten­mo­tive.

Da wir in drei Tagen mit dem Zug von Hel­sinki bis in die Nähe der rus­si­schen Grenze fah­ren möch­ten um Zeit zu spa­ren, füh­len wir am Abend am Bahn­hof vor, ob und wenn ja in wel­che Zug­gar­ni­tu­ren unse­rer Las­ten­rad passt. Diese Son­die­rung vor Ort ist ernüch­ternd. Obwohl es in Hel­sinki ein sehr gut aus­ge­bau­tes Netz an Fahr­rad­we­gen gibt, ist das rol­lende Mate­rial in Finn­land nicht auf eine grö­ßere Anzahl von Rad­fah­rern im Zug ange­passt. Es gibt zwar in jedem Zug 2–3 Stell­plätze für Fahr­rä­der, diese Plätze sind jedoch schwer zugäng­lich und bes­ten­falls für leichte Sport­rä­der geeig­net.

Die Frage nach einer Mit­nah­me­mög­lich­keit unse­res Las­ten­des in einem Zug über­for­dert die Ange­stell­ten der fin­ni­schen Bahn sicht­lich. Nach zähen Ver­hand­lun­gen schaf­fen wir es, die Schal­ter­be­diens­tete zu einer unver­bind­li­chen Reser­vie­rung von zwei Fahr­rad­kar­ten für den geplan­ten Abfahrt­tag zu über­re­den. In Hin­blick auf die Größe des Las­ten­ra­des ver­weist sie mehr­fach auf Rege­lun­gen zur Fahr­rad­mit­nahme in fin­ni­schen Zügen und macht dabei deut­lich, dass die­ses Rad nicht mit­ge­nom­men wer­den könne. Wir sol­len einen Ser­vice anru­fen und uns dort nach Trans­port­mög­lich­kei­ten für das Rad erkun­di­gen. Wir ver­spre­chen dies zu tun und mit der Aus­kunft in der Hand am nächs­ten Tag wie­der­zu­kom­men.

Der Kofferraum

Mit einem Tag Ver­zö­ge­rung ist heute die Beschrif­tung für den Fahr­rad­kof­fer fer­tig gewor­den. Das Rot ist nicht ganz der Farb­ton der es hätte sein sol­len, aber das fällt wohl nur jeman­dem auf, der auch die Design­vor­lage mit den Farb­wer­ten gese­hen hat. 😉

Projektfahrrad mit Cargo-Box
Pro­jekt­fahr­rad mit Cargo-Box

Obwohl die Kiste für sich recht leicht ist, ändert sich mit der mon­tier­ten Kiste das Fahr­ver­hal­ten des Rades doch spür­bar. Mal gucken wie sich das Rad mit vol­ler Zula­dung ver­hält.

 

Die neuen Räder

Anstelle der bei den letz­ten Rei­sen genutz­ten Kom­bi­na­tion aus einem Rei­se­fahr­rad und einem Fahr­rad­an­hän­ger möch­ten wir für das Grenz­land-Pro­jekt ein Las­ten­fahr­rad zum Trans­port unse­rer recht umfang­rei­chen Aus­rüs­tung ein­set­zen. Da wir bis­lang noch nicht über ein sol­ches Las­ten­fahr­rad ver­fü­gen, müs­sen wir uns ein sol­ches extra für das Pro­jekt beschaf­fen. In Anbe­tracht unse­rer recht spe­zi­el­len Anfor­de­run­gen an das Fahr­rad fiel die Ent­schei­dung zuguns­ten eines Neu­kaufs eines sol­ches Trans­port­fahr­rads aus. Zum einen lie­gen die Preise für gebrauchte und gut erhal­tene Las­ten­fahr­rä­der zu dicht an den Prei­sen für Neu­fahr­zeuge und zum ande­ren müss­ten an einem gebraucht erwor­be­nen Fahr­rad für das Pro­jekt so viele Anpas­sun­gen vor­ge­nom­men wer­den, dass der Kauf eines gebrauch­ten Fahr­ra­des und des­sen Anpas­sung in der Summe teu­rer wäre als der Auf­bau eines kom­plett neuen Fah­ra­des nach unse­ren pro­jekt­spe­zi­fi­schen Vor­ga­ben.

Nach der Absage des bis dato favo­ri­sier­ten Fach­händ­lers den Bau des kom­plet­ten Fahr­ra­des zu über­neh­men, haben wir ent­schie­den, unser neues Fahr­rad wei­test­ge­hend sel­ber auf­zu­bauen. Da wir jedoch nicht alle Kom­po­nen­ten selbst zusam­men­bauen kön­nen, haben wir heute als einen ers­ten Schritt zu unse­rem Pro­jekt­fahr­rad den Bau der Lauf­rä­der für die­ses in Auf­trag gege­ben. In vier Wochen, das heißt Ende Juni und damit nur wenige Tage vor dem geplan­ten Beginn der Fahrt, sol­len diese fer­tig sein. Dann drü­cken wir uns »mal gegen­sei­tig die Dau­men, dass es in die­sem Punkt zu kei­nen Ver­zö­ge­run­gen kommt…