Schlagwort-Archive: defekt

Datenhaltung und ‑verluste

Nur wenige Tage nach­dem wir begon­nen haben unser umfang­rei­ches Mate­rial zu sich­ten, zu kata­lo­gi­sie­ren und zu bear­bei­ten wer­den wir vor eine beson­dere Her­aus­for­de­rung gestellt: Sowohl in unse­rem Haupt­ar­beits­rech­ner als auch in unse­rem Daten­si­che­rungs­sys­tem fal­len nahezu gleich­zei­tig meh­rere Fest­plat­ten­ver­bünde (RAID) aus. Ein Zugriff auf die auf die­sen Sys­te­men gespei­cher­ten Daten ist vor­erst ein­mal nicht mög­lich.

Da wir die wäh­rend der Grenz­land-Reise erstell­ten Bil­der, Video- und Ton­auf­nah­men auf den mobi­len Daten­trä­gern jedoch noch nicht gelöscht und mit neue­rem Mate­rial über­schrie­ben haben, müs­sen wir zum Glück in Bezug auf die­ses Mate­rial kei­nen Daten­ver­lust befürch­ten. Zumin­dest solange nicht, wie diese Daten­trä­ger nicht kaputt oder ver­lo­ren gehen.

Auf­grund der Größe der aus­ge­fal­len Spei­cher­ka­pa­zi­tät kön­nen wir in den nächs­ten Wochen vor­erst nicht an der Pro­jekt­do­ku­men­ta­tion arbei­ten. Zuerst müs­sen die auf den aus­ge­fal­len Spei­cher­sys­te­men abge­leg­ten Daten wie­der­her­ge­stellt und auf Kon­sis­tenz und Voll­stän­dig­keit geprüft wer­den. Diese Arbeit hat inso­fern Vor­rang, als dass es sich bei den der­zeit nicht ver­füg­ba­ren Daten um den gesam­ten Bestand an Auf­zeich­nun­gen aus den letz­ten 5 Jah­ren han­delt. Für ältere Daten haben wir dezen­tral gela­gerte Siche­rungs­ko­pien. Nur die Bil­der, Videos, Texte und Audio­auf­nah­men von den letz­ten Rei­sen und Pro­jek­ten lagen aus­schließ­lich auf den bei­den teil­weise defek­ten Spei­cher­sys­te­men.

Und was ler­nen wir dar­aus? Eine Siche­rungs­ko­pie pro Datei reicht offen­sicht­lich nicht aus.

 

Tag 7 — Vyborg

Die Straße von Nui­ja­maa nach Vyborg ist in schlech­ter Ver­fas­sung. Des­halb ist erst auf den wesent­lich bes­se­ren Stra­ßen­ober­flä­chen in Vyborg zu bemer­ken, dass das Las­ten­rad wäh­rend der Fahrt unre­gel­mä­ßig abge­bremst wird. Ver­zo­gene Lauf­rä­der kön­nen auf­grund der Unre­gel­mä­ßig­keit als Ursa­che für die spo­ra­di­sche Ver­zö­ge­rung das Rades aus­ge­schlos­sen wer­den. Hät­ten die Lauf­rä­der einen Defekt, so wäre die­ser regel­mä­ßig spür­bar. Nach inten­si­ver Inspek­tion stellt sich her­aus, dass sich die Schrau­ben der hin­te­ren Schei­ben­bremse nahezu voll­stän­dig gelöst haben und in Abhän­gig­keit von der ver­ti­ka­len Aus­rich­tung des Fahr­ra­des an der exter­nen Schalt­steue­rung des Roh­loff-Getrie­bes scheu­ern. Wird das Rad in der Bewe­gung nach links gekippt, rut­schen die Schrau­ben aus ihrer Auf­nah­me­boh­rung und sto­ßen dann an das Gehäuse der Schalt­an­steue­rung. In Abhän­gig­keit davon wie weit die Schrau­ben aus der Auf­nahme rut­schen ist der Schleif­wi­der­stand der Schrau­ben­köpfe am Gehäuse der Schalt­an­steue­rung mal mehr mal weni­ger stark spür­bar. In der Kon­se­quenz heisst der Umstand der gelös­ten Schrau­ben, dass ent­we­der die Dreh­mo­men­tan­ga­ben von Roh­loff falsch sind oder mein Dreh­mo­ment­schlüs­sel nicht kor­rekt arbei­tet. Einen Feh­ler mit falsch ein­ge­stell­tem Dreh­mo­ment beim Fest­zie­hen der Schrau­ben kann ich aus­schlie­ßen, da ich alle Schrau­ben am Rad vor der Abreise noch ein­mal mit den jeweils ent­spre­chen­den maxi­ma­len Wer­ten über­prüft habe.

Wir kön­nen uns glück­lich schät­zen, die­sen Umstand recht­zei­tig bemerkt zu haben. Denn es wäre nur eine Frage der Zeit gewe­sen, bis eine der vier Schrau­ben sich so weit aus ihrer Auf­nahme gelöst hätte, bis sie durch das Gehäuse der exter­nen Schalt­an­steue­rung voll­stän­dig blo­ckiert wor­den wäre. Das Ergeb­nis wäre ein abrup­ter Stop des Hin­ter­rads gewe­sen. Je nach Rota­ti­ons­ge­schwin­dig­keit des Rades in die­sem Moment, hätte es unter Umstän­den nicht nur die ein­zelne Schraube aus ihrer Boh­rung geris­sen, son­dern even­tu­ell die Brems­scheibe, die Schalt­an­steue­rung sowie viel­leicht auch den Flansch der Roh­loff-Getrieb­nabe beschä­digt. Ein sol­cher Scha­den hätte an die­sem Ort mit hoher Wahr­schein­lich­keit das Ende des Pro­jek­tes bedeu­tet, zumin­dest aber eine mehr­tä­gige War­te­zeit auf Ersatz­teile und eine Repa­ra­tur nach sich gezo­gen.

Auf­grund der zeit­auf­wen­di­gen Feh­ler­su­che müs­sen wir die Stadt­er­kun­dung auf den nächs­ten Tag ver­schie­ben. Als Aus­gleich für den Zeit­ver­lust cam­pie­ren wir direkt im Stadt­zen­trum mit Blick auf das Vybor­ger Schloss.

Tag 1 — Abfahrt aus Berlin

Trotz umfang­rei­cher Vor­be­rei­tun­gen sind noch am Tag der Abfahrt eine Reihe von Din­gen zu erle­di­gen. Zum einen weil sich im Zuge der Vor­be­rei­tungs­ar­bei­ten Pro­bleme eröff­net haben, die es pri­mär zu lösen galt und zum ande­ren, weil die Lösung sol­cher uner­war­tet auf­ge­tre­te­ner, vor­ran­gi­ger Pro­bleme mehr Zeit in Anspruch nahm als im Rah­men der geplan­ten Vor­be­rei­tungs­zeit zur Ver­fü­gung stand. So müs­sen wir noch kurz vor der Abfahrt Ersatz für einige drin­gend benö­tigte Werk­zeuge und neue Warn­wes­ten beschaf­fen.

Einen defek­ten Fahr­rad-Com­pu­ter sowie spe­zi­elle Auf­hän­gun­gen für einen Teil unse­rer Fahr­rad­schlös­ser schaf­fen wir jedoch nicht mehr zu beschaf­fen bezie­hungs­weise sind als Ersatz zu spät beim Händ­ler unse­rer Ver­trau­ens ein­ge­trof­fen, um sie noch vor unse­rer Abfahrt abho­len zu kön­nen.

Vor die­sem Hin­ter­grund fah­ren wir des­halb mit eini­gen Stun­den Ver­spä­tung gegen­über dem Plan mit dem Zug Rich­tung Lübeck. Auf dem ein­zi­gen Umstei­ge­bahn­hof unse­rer Ver­bin­dung, in Bad Klei­nen, wer­den wir von meh­re­ren beson­ders eif­rig her­um­ste­hen­den Siche­rungs­kräf­ten der Bahn dabei unter­stützt, unse­ren Anschluss um eine Stunde nach hin­ten zu ver­le­gen. Anstatt die voll bela­de­nen Räder über den vor­han­de­nen und nicht gesperr­ten Gleis­über­gang zu schie­ben, müs­sen wir sie in Erman­ge­lung eines Fahr­stuhls ein­mal kom­plett ent­la­den. Im Anschluss dür­fen wir die Räder sowie das Gepäck durch einen Tun­nel tra­gen. Nach die­ser klei­nen Sport­ein­lage sind von der erzwun­gene einen Stunde Auf­ent­halt noch 30 Minu­ten übrig, um auf dem Bahn­hof in Bad Klei­nen die Zeit tot­zu­schla­gen. Zum Glück gera­ten wir dabei nicht in eine ver­suchte Fest­nahme durch deut­sche Sicher­heits­kräfte.

Mit der Erfah­rung aus Bad Klei­nen in den Kno­chen war die Freude in Lübeck natür­lich umso grö­ßer, als sich der dort immer­hin exis­tie­rende Fahr­stuhl als defekt her­aus­stellte. Selbst­ver­ständ­lich erst, nach­dem wir alle Sachen schon fahr­be­reit ver­staut hat­ten. Als Aus­gleich konn­ten wir an einem Tag drei Mal üben, unsere Sachen an den Rädern unter­zu­brin­gen.

Nach kur­zem Besuch der Lübe­cker Alt­stadt ging es dann über 15 Kilo­me­ter mit dem Rad nach Tra­ve­münde, wo die Fähre nach Hel­sinki schon auf uns war­tete. Als Über­ra­schung unter­wegs stellte sich die Pas­sage des Her­ren­tun­nels her­aus. Für diese müs­sen Fahr­rä­der in einen Bus ver­la­den wer­den, der die Rad­fah­rer samt ihren Fahr­zeu­gen dann durch den Tun­nel fährt. Zu unser Freude und zur Über­ra­schung des Bus­fah­rers passt ein voll bela­de­nes Bul­litt-Las­ten­rad auch in die­sen Bus.

Gedenktafel zur Deutschen Einheit in Lübeck
Gedenk­ta­fel zur Deut­schen Ein­heit in Lübeck