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Erneut unterwegs

Mit dem Fahrrad entlang des früheren Eisernen Vorhangs unterwegs
Mit dem Fahr­rad ent­lang des frü­he­ren Eiser­nen Vor­hangs unter­wegs

Im letz­ten Jahr hat­ten wir unsere Tour von Hel­sinki nach Sopron für 14 Tage unter­bro­chen, um zum einen zur Hoch­zeit eines befreun­de­ten Paa­res zu fah­ren und zum ande­ren, um an einer Som­mer­schule zum Thema unse­res Pro­jek­tes teil­zu­neh­men.

Diese 14 Tage fehl­ten uns jedoch am Ende des Pro­jek­tes, um  die geplante Stre­cke kom­plett erfolg­reich zu befah­ren.

Aus die­sem Grund haben wir uns ent­schie­den, das feh­lende Teil­stück zwi­schen Wit­ten­berge und Szc­ze­cin in die­sem Jahr zu befah­ren und damit unser Pro­jekt abzu­schlie­ßen.

Ab dem 14.07.2015 sind wir des­halb wie­der ent­lang des Eiser­nen Vor­hang Rad­we­ges unter­wegs. Wäh­rend unse­rer Fahrt wer­den wir — wie im letz­ten Jahr — die Bewoh­ner des ehe­ma­li­gen Grenz­ge­bie­tes nach ihren per­sön­li­chen Erfah­run­gen mit der Grenze befra­gen.

Tag 41 — Gdansk

Gedenkstein auf dem Gelände "Westerplatte"
Gedenk­stein auf dem Gelände „Wes­ter­platte“

Tag 40 — Von Kiezmark nach Gdansk

Radfahren in Polen
Rad­fah­ren in Polen

 

Tag 36 — Kaliningrad

Schon nach den ers­ten Kilo­me­tern in Kali­nin­grad ver­fes­tigt sich bei uns die Über­zeu­gung, dass in der Sowjet­union und auch in der heu­ti­gen Rus­si­schen Föde­ra­tion die bei­den Dis­zi­pli­nen Stadt­pla­nung und Ver­kehrs­pla­nung gegen­ein­an­der kon­kur­rie­ren. Mit jedem Pro­jekt schei­nen die Ver­tre­ter der einen Dis­zi­plin den Ver­tre­tern der ande­ren Fach­rich­tung ihren Wil­len auf­zwin­gen zu wol­len. Koste es was es wolle und unge­ach­tet der Kon­se­quen­zen für die Men­schen.

Anders ist es kaum zu erklä­ren, dass zum Bei­spiel in der Mitte einer vier­spu­ri­gen Trasse neue Häu­ser errich­tet wer­den kön­nen, wel­che dann vom Ver­kehr rechts und links ein­spu­rig umflos­sen wer­den. Um das Hin­der­nis in der Mitte der Straße zu umfah­ren, müs­sen die Fahr­zeuge natür­lich vor­her noch Stra­ßen­bahn­gleise que­ren, um hin­ter dem Hin­der­nis erneut über selbe auf die alte Stra­ßen­füh­rung zurück zu kom­men. Wem die täg­li­chen Gefah­ren des Lebens nicht genü­gen, der baut sich und sei­nen Mit­men­schen eben künst­lich neue…

Am Ende des Tages sind wir vom ers­ten Ein­druck den die Stadt hin­ter­lässt sehr über­rascht. Zum einen erscheint die Hoff­nung etli­cher Ein­woh­ner der Stadt reich­lich naiv, dass in weni­gen Jah­ren das Kali­nin­gra­der Gebiet wie­der deut­sches Staats­ge­biet wird. Zum ande­ren über­ra­schen die selbst für sowje­ti­sche Ver­hält­nisse chao­ti­schen Arte­fakte stadt­pla­ne­ri­scher Tätig­keit. Zum Teil ist Bau­sub­stanz aus der Vor­kriegs­zeit bei der Neu­be­bau­ung von Kriegs­bra­chen berück­sich­tig wor­den, zum Teil schei­nen die Ent­schei­dungs­trä­ger will­kür­lich Typen­bau­ten in ein Flur­stück ein­ge­passt zu haben, ohne den umge­ben­den Raum bei der Pla­nung zu berück­sich­ti­gen. Als Schich­tung kann man das wohl kaum mehr bezeich­nen. Was für eine geschun­dene Stadt. Erst die Kriegs­schä­den, dann die allem Anschein nach weit­ge­hend kon­zept­lose Neu­be­bau­ung, ohne Rück­sicht auf die Men­schen, die in die­sem Chaos woh­nen müs­sen.

Wir wer­den im Stadt­mu­seum nach­fra­gen, wer für die Stadt­pla­nung nach dem Zwei­ten Welt­krieg ver­ant­wort­lich war und in wel­chen Pha­sen der Wie­der­auf­bau der Stadt erfolgt ist.

Tag 35 — Von Sovetsk nach Kaliningrad

Auf unse­rem Weg aus der Stadt hin­aus tref­fen wir auf der Straße die Frau, wel­che uns am Vor­abend mit ihrem Hin­weis auf ein wei­te­res Wohn­heim die ent­schei­dende Hilfe zum Fin­den einer Unter­kunft gege­ben hat. Die Welt ist eben auch in Sovetsk sehr klein.

Tag 8 — Von Vyborg nach Primorsk

Da wir uns auf expli­zite Nach­frage bei der Ein­reise für unse­ren Auf­ent­halt in der Russ­län­di­schen Föde­ra­tion regis­trie­ren las­sen müs­sen, möch­ten wir dies vor unse­rer Abfahrt aus Vyborg auch tun. Die nächste Gele­gen­heit für eine Regis­trie­rung wäre erst wie­der in Sankt Peters­burg und dies wäre nach Aus­sage der rus­si­schen Gren­zer zeit­lich zu spät nach der Ein­reise. Also machen wir uns in Vyborg auf die Suche nach der zustän­di­gen Migra­ti­ons­be­hörde. Wer sollte die Adresse die­ser Ein­rich­tung bes­ser ken­nen als die lokale Poli­zei? Diese scheint zumin­dest in die­sem Punkt nicht bes­ser zu sein als ihr Ruf. Die Wache wim­melt uns ab und hat noch nicht ein­mal einen Stift und Papier, damit wir uns zumin­dest die Adresse notie­ren kön­nen, an wel­che wir ver­wie­sen wer­den.

Die Poli­zis­ten vor der Wache sind auch nicht bes­ser infor­miert als die Kol­le­gen im Inne­ren der Dienst­stelle. Zumin­dest haben sie Stift und Papier, so dass wir uns die Adresse auf­schrei­ben kön­nen, zu wel­cher wir mit unse­rem Anlie­gen erneut ver­wie­sen wer­den.

In der loka­len Dienst­stelle der Migra­ti­ons­be­hörde in Vyborg ist der aktu­elle Kon­flikt in der Ukraine voll prä­sent. Vor und ins­be­son­dere in der Behörde drän­gen sich die Men­schen, um an Stem­pel, Geneh­mi­gun­gen oder sons­tige offi­zi­el­len Doku­mente zu gelan­gen. Ent­spre­chend gering ist die Bereit­schaft der Bediens­te­ten, sich mit dem für Vyborg sicher­lich sel­ten vor­kom­men­den Son­der­fall eines Rad­rei­sen­den aus West­eu­ropa zu beschäf­ti­gen. Nach eini­gen frucht­lo­sen Anläu­fen einen Ansprech­part­ner zu fin­den und aus die­sem die rele­van­ten Infor­ma­tio­nen für den Regis­trie­rungs­pro­zeß zu extra­hie­ren, gehen wir zum Dienst­stel­len­lei­ter. Der hat zufäl­lig Sprech­stunde und des­halb ein paar Minu­ten für uns Zeit. Ergeb­nis des Gesprä­ches: Wir kön­nen ohne Regis­trie­rung wei­ter­fah­ren, da eine sol­che erst nach einem Auf­ent­halt von mehr als 7 Werk­ta­gen der Migra­ti­ons­be­hörde an einem Ort ver­langt wird. Da wir nicht vor­ha­ben an einem Ort län­ger als 7 Werk­tage + die dazwi­schen­lie­gen­den Wochen­en­den zu blei­ben, neh­men wir den Dienst­stel­len­lei­ter beim Wort und ver­ab­schie­den uns ohne Regis­trie­rung aus Vyborg.

Auf­grund der mit dem Regis­trie­rungs­ge­ha­dere ver­bun­de­nen Zeit­ver­lust schaf­fen wir lei­der unser Tages­soll nicht und über­nach­ten am Strand in Pri­morsk.