:: Rund um die Welt ::

Die nicht ganz private Internet-Präsenz Götz Burggrafs

Bilder aus Rußland

In der Russischen Föderation war ich in seit den frühen 1990er Jahren einige Male. Entweder im Rahmen von Sprachreisen, Praktika, Studienfahrten und Forschungsreisen oder als einfacher Tourist. Habe ich in den ersten Jahren auf meinen Reisen durch Rußland kaum photographiert, so habe ich dies in letzter Zeit immer mehr bereut.

Trifft man heute — mehr als 15 Jahre nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Planwirtschaft und Auflösung der Sowjetunion — Menschen, welche erst vor kurzem das erste Mal Rußland besucht haben, so erstaunt die in deren Erzählungen zum Ausdruck kommende unterschiedliche Wahrnehmung, Beschreibung und Bewertung des Landes im Vergleich zu den Ausführungen von Besuchern aus den Vorjahren. In den sich entlang dieser unterschiedlichen Sichtweisen häufig entspinnenden Diskussionen wären Belege in Form von Bildern zur Untermauerung der verschiedenen Positionen regelmäßig sehr hilfreich.
Darüber hinaus ist es auch immer wieder ganz praktisch, Fragen nach dem Warum, Wieso und Weshalb der Beschäftigung mit Rußland und dessen wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Entwicklung anhand von Bildern lebendiger und weniger abstrakt als mit einem trockenen Fachvortrag beantworten zu können. ;)

Die hier gezeigten Bilder Moskaus bei Tag und bei Nacht sowie anderer russischer Städte wie Nizhni Novgorod, Kasan, Samara, Tscheljabinsk, Jekaterinburg und Perm sind in diesem Sinne nur ein Ausschnitt von Eindrücken und Perspektiven von meinen Reisen mit der Eisenbahn oder dem Auto (ich fliege ungern und bin in der Russischen Föderation bisher auch nur selten geflogen).

Sehr bedauerlich ist der Verlust des größten Teils meiner Bilder aus der Moskauer Metro, mit denen ich das in der Ausschmückung der unterirdischen Stationen zum Ausdruck kommende Welt- und Gesellschaftsbild der Sowjetunion der 1940er bis 1970er Jahre zu dokumentieren versucht habe. Ein Studium der Fresken, Ornamente, Plastiken und Bilder ist nicht nur in Hinblick auf das propagandistische Selbstverständnis der Künstler und deren Auftraggeber hochinteressant und sehr empfehlenswert. In den öffentlich zugänglichen Dokumentationen zur Moskauer Metro in Form von Bildbänden und Reiseführern wird leider nur sehr selten auf diesen Aspekt eingegangen und die Autoren beschränken sich in der Regel allein auf die Darstellung der Geschichte und einzelner Perspektiven besonders geschmückter Stationen. Nicht erst seit den Bombenanschlägen in der Moskauer Metro ist diese jedoch für Photographen ein Tabu [Anmerkung: Die Moskauer Metro ist wie die anderen Untergrundbahnanlagen in der Russischen Föderation als militärische Anlage eingestuft. Das Anfertigen von Aufzeichnungen bzw. der nicht genehmigte Besitz solcher Unterlagen wird strafrechtlich verfolgt. Seit dem massenhaften Aufkommen digitaler Aufzeichnungsgeräte auch in privaten Haushalten ist dieses Verbot des Photographierens und Filmens jedoch praktisch nicht mehr durchsetzbar. Die Geräte sind mittlerweile so klein und so weit verbreitet, daß eine Durchsetzung des Verbotes durch Personenkontrollen der Sicherheitskräfte sowie die Beschlagnahmung der Geräte bzw. Aufzeichnungen nicht mehr möglich ist. Viele Moskowiter und Besucher der Stadt gehen deshalb fälschlicherweise von der Annahme aus, das Photographieren in der Metro sei erlaubt. Schließlich kann man insbesondere in den besonders geschmückten Stationen immer wieder wahre Blitzlichtgewitter sehen. Trotz der praktischen Nichtdurchsetzbarkeit des Photographierverbotes ist man mit diesem weiterhin konfrontiert, insbesondere wenn man mit etwas anderer Technik als einer digitalen Seifendose unterwegs ist. ;) Spätestens wenn man ein Stativ aufbaut, um das spärliche Licht in der Metro auf Dia-Film oder großflächige Silizium-Chips zu bannen, provoziert man längere Gespräche mit lokalen Sicherheitskräften.], weshalb der Verlust von „trotzdem, rein zufällig, im Vorbeigehen“ entstandenen Bildern besonders schmerzhaft ist. :(
Da ich natürlich nicht als einziger Mensch auf Erden die Moskauer Metro für photographierwürdig halte, kann man im Netz der Netze an anderer Stelle einen Teil der Motive finden, welche ich an dieser Stelle kommentieren wollte.

In diesem Zusammenhang sind auch Faksimilies von Propagandaplakaten aus den 30er, 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts bemerkenswert, welche mit ihren vielfältigen Parallelen zu Propagandaplakaten aus dem Dritten Reich den aufmerksamen Betrachter immer wieder überraschen können und seit einigen Jahren in Moskauer Buchläden vertrieben werden.

Moskau
Nischni Nowgorod
Kasan
Uljanowsk
Samara
Tscheljabinsk
Jekaterinburg
Perm

© Copyright 1995 — 2010 Götz Burggraf
Datei erstellt am: 07.10.2001 17:03 von: Götz Burggraf
Letzte Änderung am: 20.01.2010 21:19 von: Götz Burggraf
Die Datei entspricht den technischen Standards des World Wide Web Consortiums (W3C) für valide XHTML- und CSS-Kodierung und ist barrierearm gestaltet.

Valid XHTML 1.1 Valid CSS!