Politische Witze ohne Personenbezug

Viele politische Witze thematisieren nicht das besondere Verhältnis zwischen Regierenden und Regierten, sondern beschreiben Alltagssituationen. Wie auch bei den personalisierten Witzen die sich an Besonderheiten nationaler Politiker abarbeiten lassen sich viele dieser Alltagswitze leicht mit Hilfe geringfügiger Modifikationen oder sogar ohne Veränderung auf andere Länder übertragen. Der politische Witz ist in Hinblick auf diese leichte Übertragbarkeit ein guter Indikator dafür, dass sich die Lebenssituationen der Menschen in den verschiedenen Ländern gar nicht so sehr voneinander unterscheiden wie oftmals angenommen oder kolportiert wird. Allein der Umstand der Existenz politischer Witze weist darauf hin, dass der Bedarf für ein Instrument besteht, mit Hilfe dessen Unzufriedenheit mit der politischen Situation, der wirtschaftlichen Lage sowie den Leistungen der Mitglieder der gesellschaftlichen Elite geäußert werden kann.

  1. Was ist kurz, lustig und zum Sitzen?
    Ein politischer Witz…
  2. Warum war bei der letzten Wahl das „Ja“ so groß und das „Nein“ so klein gedruckt?
    Ersteres für die Kurzsichtigen und letzteres für die Weitsichtigen.
  3. „Wieso gehst Du denn mit dem Radio in die Kirche?“
    „Der Kerl muss beichten, weil er so viel lügt.“
  4. „Wie unterhält sich heute ein kluger Mann mit einem dummen?“
    „Vom Ausland aus, per Telefon.“
  5. Sprichwort: Schweigen ist Gold und Reden ist Knast.
  6. Was ist der Unterschied zwischen einem Osteuropäer und einem Westeuropäer?
    Der Osteuropäer hat seine Zukunft schon einmal erlebt.
  7. „Gibt es bei uns mehr Humor als anderswo?“
    „Ja, klar. Aber wir haben ihn auch nötig.“
  8. Es wird erwogen, ob die Zeitungen enger gedruckt werden sollen, damit man nicht mehr soviel zwischen den Zeilen lesen kann.
  9. Selbstverständlich hat jeder Bürger dieser Republik das garantierte Recht und die Freiheit, stets offen und frei zu sagen, was er denkt. Aber ebenso selbstverständlich ist es doch, dass niemand jemals etwas denkt, was er nicht frei und offen sagen darf!
  10. Was ist der Unterschied zwischen dem Menschen und einer Maus? Der Mensch hat die Atombombe erfunden. Eine Maus würde niemals eine Mausefalle erfinden.
  11. In einem Café sitzen alte Männer zusammen und trinken Tee. Einer seufzt. Ein Zweiter seufzt noch tiefer. Ein dritter stöhnt daraufhin laut auf. Sagt ein vierter: „Müsst ihr immer über Politik reden?“
  12. Unterhalten sich zwei Frauen: „Ich stehe zwischen zwei Männern: der eine ist ein sehr ehrlicher und fleißiger Beamter, der andere ein hinreißender Liebhaber. Für wen soll ich mich entscheiden?“
    „Für den Beamten. Einen Liebhaber kannst Du Dir immer noch nehmen.“
  13. „Es ist schon schwer, bei der Führung des Landes nicht anzuecken“, meint ein Tourist nach der Rückkehr aus der nun unabhängigen Republik. „Beachtet man das was sie geschaffen hat nicht genügend, hält sie einen für einen Feind der unabhängigen Republik. Sieht man sich ihre Errungenschaften aber näher an, hält sie einen für einen Spion des Auslands.“
  14. Was ist der Unterschied zwischen der einheimischen Presse und der Auslandspresse? In der einen liest man Heimatland über alles und in der anderen liest man alles über das Heimatland.
  15. Ein Amerikaner, ein Japaner und ein Deutscher bekommen eine neue Technologie erklärt. Der Amerikaner sagt: „Wow, damit können wir die Kommunisten besser in Schach halten. Kann man das nicht auch für Kinofilme verwenden?“ Der Japaner sagt: „Interessant, damit können wir viel Geld machen. Aber geht das Gehäuse wirklich nicht kleiner?“ Der Deutsche sagt: „Oh mein Gott, es wird uns alle umbringen. Warum ist das noch nicht verboten worden?“
  16. Das neugeborene Kind sagt klar und deutlich vernehmbar: „a² + b² = c².“ Die Mutter wird ganz bleich und sagt zum Arzt: „Herr Doktor, das Kind ist viel zu schlau! Da müssen wir etwas tun.“ In einer OP wird dem Kind eine Hälfte des Gehirns herausgenommen und durch Holzmehl ersetzt. Das Kind erwacht aus der Narkose und zählt: „1, 2, 3, 4 …“ Der Arzt erkennt sofort: Das Kind ist immer noch zu schlau. Er entfernt in einer weiteren OP auch die zweite Gehirnhälfte, für die er ebenfalls Holzmehl einsetzt. Das Kind erwacht wieder aus der Narkose und fragt: „Wo geht es zum Wahllokal?“
  17. „Ginge es uns besser, wenn wir Amerikaner wären?“
    „Weiße oder schwarze?“
  18. Worin besteht der Unterschied zwischen einen amerikanischen und einem #Nationalität freier Wahl# Märchen?
    Das amerikanische Märchen beginnt mit: „Es war einmal.“, das #Nationalität freier Wahl# Märchen mit: „Einmal wird es soweit sein.“
  19. Worin besteht der Unterschied zwischen einem Krematorium und einer Versammlungshalle? In einem Krematorium wird man verbrannt, in einer Versammlungshalle nur verkohlt.
  20. Auf einem internationalen Chirurgenkongress unterhalten sich beim Essen Ärzte verschiedener Nationalitäten über die Fortschritte der Chirurgie. „Uns ist es gelungen, einen großen Teil des Darms zu entfernen und durch künstliches Gewebe und Plastik zu ersetzen“ erklärt ein US-amerikanischer Arzt. „Wie die klinischen Studien beweisen, funktioniert die Verdauung nach diesem Eingriff völlig normal.“ „Interessant“, entgegnet ein norwegischer Arzt ein, „wir haben ein Verfahren entwickelt einen vor bis zu zwei Stunden verstorbenen Menschen erfolgreich zu reanimieren. Was sagen sie dazu?“ Ein #Nationalität freier Wahl# Arzt mischt sich in das Gespräch ein: „Das ist doch alles gar nichts! Bei uns hat man einem großen Teil der Bevölkerung des Gehirn entfernt, und kein Mensch merkt etwas davon!“
  21. Am Rande eines internationalen Chirurgen-Kongresses kommen ein finnischer, ein portugiesischer und ein #Nationalität freier Wahl# Kollege ins Gespräch. Der Finne gibt an und sagt: „Ich habe neulich eine Herztransplantation in nicht ganz 5 Stunden durchgeführt!“ Anerkennendes Kopfnicken der anderen. Setzt der Portugiese einen drauf: „Ich habe letzte Woche einem Unfallopfer Herz, Niere und Leber in etwas mehr als 3 Stunden transplantiert!“ Bewunderndes Schweigen der anderen. Prahlt der #Nationalität freier Wahl# Chirurg: „Ich habe vorgestern einem Mann die Mandeln in nicht ganz 11 Stunden herausgenommen!“ Meint der Finne: „Was soll das denn für eine Leistung sein, so etwas mache ich in nicht ganz 10 Minuten!“ Der #Nationalität freier Wahl#: „Irrtum, mein Herr. Der Patient war vom Geheimdienst, der durfte das Maul nicht aufmachen. Ich musste rektal vorgehen!“
  22. Ein Journalist kommt mit einem Eisbeutel auf dem Kopf in die Redaktion. Er taumelt und stöhnt. Von einem Kollegen angesprochen jammert er: „Der Druck von oben ist ja jetzt verschwunden — aber der Schwindel, der Schwindel, der ist geblieben.“
  23. Ein Bauer fragt den anderen wie es ihm ginge — „Na, wir leben wie die Kartoffeln. Den ganzen Tag liegen wir im Dreck und wenn wir das Maul aufmachen, dann werden wir gefressen!“
  24. Ein Mann läuft mit einer verbundenen Nase herum. Auf die Frage, was ihm denn passiert sei, antwortet er, er habe sich einen Zahn ziehen lassen: „Aber was denn! So etwas geht doch nicht durch die Nase!“ „Aber sicher doch! In Zeiten wie diesen werd‘ ich doch nicht den Mund aufmachen!“
  25. „Haben Sie gehört, dass in unserer Stadtverwaltung Vetternwirtschaft herrschen soll?“
    „Das kann so nicht stimmen. Die drei wichtigsten Männer sind doch nicht Vettern, sondern Brüder.“
  26. Zwei Männer gehen angeln. Der eine fängt sehr viel, der andere gar nichts. „Woran das nur liegt, dass bei mir keiner anbeißt?“, grübelt der eine. — Lachend macht ihn der andere auf das Parteiabzeichen an seinem Kragen aufmerksam. „Na wenn Sie den Stecker tragen, traut sich natürlich keiner das Maul aufzumachen.“
  27. Unterhalten sich zwei Männer: „Der Leiter unseres Verwaltungsamtes nützt seine Stellung aus, um sich Frauen gefügig zu machen. Auch meine Frau ist dabei. Was soll ich machen?“ „So schnell wie möglich ebenfalls Amtsleiter werden.“
  28. Zwei ehemalige Geschäftsführer begegnen sich in im Gefängnis.
    „Wo warst du Geschäftsführer?“
    „Ich war Zirkusdirektor!“
    „Und warum bist du hier?“
    „Ich habe zum Gründungstag der Republik ein Transparent am Zirkus anbringen lassen.“
    „Und was stand drauf?“
    „Seit der Gründung ein erfolgreicher staatlicher Zirkus! Und du?“
    „Ich war Geschäftsführer einer Textilfabrik und habe zum Tag der Republik auch ein Transparent anbringen lassen.“
    „Und was stand drauf?“
    „Jeder zweite Abgeordnete ein Spinner!“
  29. Jahrestag der Unabhängigkeit der Republik. Am Staatszirkus in der Hauptstadt wird ein Plakat angebracht: „15 Jahre Unabhängigkeit“. Über Nacht wird ein zweites Plakat befestigt: „15 Jahre Nationaler Zirkus“.
  30. „Kann jeder Bürger unseres Landes jederzeit frei seine Meinung äußern?“
    „Selbstverständlich! Sofern er sich hierfür ins Ausland begibt.“
  31. Ein Richter verlässt lachend den Gerichtssaal. Ein Kollege fragt ihn: „Worüber lachst Du?“ „Ich habe einen phantastischen Witz gehört“, sagt der Richter unter fortlaufenden Lachanfällen. „Erzähl‘ doch mal!“, bittet der Kollege. „Auf gar keinen Fall!“, sagt der andere, „gerade habe ich jemanden aufgrund dieses Witzes zu fünf Jahren verurteilt.“
  32. Welche Ähnlichkeit besteht zwischen der neuen Republik und einer Straßenbahn? — Bei beiden steht vorn einer der lenkt; hinter ihm steht das Volk; wer nicht hinter ihm steht, der sitzt. Zwischendurch wird kassiert. Aussteigen während der Fahrt ist verboten.
  33. Früher ist uns Unrecht geschehen. Jetzt geschieht uns recht!
  34. „Kann man als guter Patriot auch ein guter Gläubiger sein?“
    „Grundsätzlich ja, aber warum sich das Leben doppelt schwer machen?“
  35. Ein Sprachwissenschaftler wird gefragt, was der Unterschied zwischen einer Katastrophe und einem Unglück sei. „Das lässt sich leicht beantworten“, sagt der Wissenschaftler. „Wenn die Decke im Sitzungssaal einstürzt und die gesamte Regierung samt Präsidenten begräbt, so ist das eine Katastrophe, aber es ist kein Unglück.“
  36. „Wer hat den Weißmeer-Kanal erbaut?“
    „Die Witzeerzähler.“
  37. „Stimmt es, dass man in unserem Land keine Stereoanlagen braucht?“
    „Das stimmt. Man hört sowieso von allen Seiten das gleiche.“
  38. Ein US-Amerikaner und ein #Nationalität freier Wahl# unterhalten sich. Dabei entbrennt ein Streit über die jeweiligen nationalen Errungenschaften. Sagt der US-Amerikaner: „We have John F. Kennedy, Stevie Wonder, Bob Hope and Jonny Cash!“ Entgegnet der andere: „We have our President, No Wonder, No Hope and No Cash…“.
  39. Déformation professionnelle oder: Wie sich der Beruf auf die Antwort nach der Frage „Was ist 2 x 2“ auswirkt:
    Der Ingenieur zückt seinen Taschenrechner, rechnet ein bisschen und meint schließlich: „3,999999999“.
    Der Physiker antwortet: „In der Größenordnung von 1*10^1“.
    Der Mathematiker zieht sich einen Tag in seine Stube zurück und behauptete danach freudestrahlend mit einen dicken Bündel Papier in der Hand: „Das Problem ist lösbar!“
    Der Logiker: „Bitte definiere 2 x 2 präziser.“
    Der Hacker bricht in den NASA-Supercomputer ein und lässt den rechnen.
    Der Psychiater: „Weiß ich nicht, aber gut, das wir darüber geredet haben…“
    Der Buchhalter einer Bad Bank wird zunächst alle Türen und Fenster schließen, sich vorsichtig umsehen und fragen: „Was für eine Antwort wollen Sie hören?“
    Der Jurist: „Vier, aber ich weiß nicht, ob wir vor Gericht damit durchkommen.“
    Der Politiker: „Ich verstehe ihre Frage nicht…“
  40. Ein durch eine Naturkatastrophe Geschädigter, dessen gesamtes Hab und Gut vernichtet wurde, kommt zum Amt zur Regelung von Vermögensschäden durch Katastrophen. Im Vorraum sieht er zwei Türen: „Für Schwergeschädigte“ — „Für Leichtgeschädigte“. Da er alles verloren hat, tritt er durch die Tür für Schwergeschädigte. Dort sieht er wieder zwei Türen: „Für Bemittelte“ — „Für Unbemittelte“. Da er auch kein Vermögen hat, tritt er durch die Tür für Unbemittelte. Wiederum zwei Türen: „Für Mitglieder der Präsidentenpartei“ — „Für Nichtmitglieder der Präsidentenpartei“. Da nicht Mitglied der Partei des Präsidenten ist, öffnet er also die Tür für die Nichtmitglieder der Präsidentenpartei und — steht wieder auf der Straße.
  41. „Stimmt es, dass kritische Bücher bei uns verboten sind?“
    „Sie sind nicht verboten, es gibt keine.“
  42. Kennen sie den Unterschied zwischen der nationalen Bildungspolitik und der Champignon-Zucht?
    Es gibt keinen, sobald sich ein helles Köpfchen zeigt, wird es sofort abgeschnitten.
  43. „Vor ein paar Tagen wurde der Direktor der städtischen Molkerei verhaftet.“
    „Warum das denn?“
    „Er hat die Magermilch mit Ziegenmilch verbessern wollen und jetzt meckern alle.“
  44. Der Vorsitzende der Nationalisten im Buchladen. Fragt die Verkäuferin: „Darf ich Ihnen die Bücher einpacken? Oder wollen Sie die gleich verbrennen?“
  45. Welches Gericht ist im Land am weitesten verbreitet? Gedämpfte Zungen.
  46. „Wie geht es Ihnen?“
    „Normal, Sie wissen doch, die Umstände.“
    „Was wollen Sie damit sagen?“
    „Dasselbe, was Sie damit sagen wollen.“
    „Um Himmels willen, das bleibt aber unter uns!“
    „Darauf können Sie sich verlassen. Guten Tag!“
    „Guten Tag!“
  47. In einem Theater kommt es während der Vorstellung zu einem Kurzschluss. Der Elektriker steht auf der Leiter und bemüht sich vergeblich um die Reparatur. Der technische Direktor des Hauses geht mit einer Lampe durch die Zuschauerreihen und leuchtet jedem ins Gesicht. Dabei murmelt er vor sich hin: „Hier ist es nicht — hier auch nicht.“ Dann schüttelt er bedächtig den Kopf: „Ich sage es ja immer, es liegt nicht am Volk. Es liegt an der Leitung.“
  48. „#Ortstypischer Vorname freier Wahl# braucht kein Rückgrat.“
    „Warum nicht?“
    „Weil er so eine dicke Haut hat.“
  49. „Gibt es einen Unterschied zwischen Wirbelsäule und Rückgrat?“
    „Grundsätzlich nicht. Aber eine Wirbelsäule hat jeder.“
  50. Ein Hauptstädter kommt in einen Schreibwarenladen in der Provinz und möchte Briefpapier kaufen. Er befühlt es lange und kommt zum Schluss: „Bei uns in der Hauptstadt gibt es viel feineres Papier.“ Der Verkäufer schaut den Kunden an und sagt: „Ich möchte Ihnen nicht widersprechen. Sie haben daheim bestimmt auch viel feinere Lumpen.“
  51. „Die Ziege und die Schnecke wetten miteinander, wer zuerst an einem bestimmten Punkt ankommt. Die Schnecke gewinnt natürlich.“
    „Wieso?“
    „Nun, die Ziege wurde wegen Meckerei ins Gefängnis gesteckt. Die Schnecke aber blieb still und ist nur gekrochen!“
  52. Nach einer Volksabstimmung klingelt bei #ortstypischer Vorname freier Wahl# das Telefon. #Ortstypischer Vorname freier Wahl# hebt verschlafen ab und meldet sich. Am anderen Ende flötet eine Frauenstimme: „Oh, Entschuldigung, ich habe falsch gewählt.“ Darauf antwortet #ortstypischer Vorname freier Wahl#: „Aber meine liebe! Das haben wir doch alle. Mir das mitzuteilen, das ist doch kein Grund, mich um Mitternacht aufzuwecken!“
  53. „Gestern ist #ortstypischer Vorname freier Wahl# verhaftet worden.“
    „Was sie nicht sagen. So ein anständiger Mensch. Und weshalb?“
    „Eben deshalb!“
  54. Eine unabhängige Bühne wird für einige Tage geschlossen, weil während der Veranstaltung politische Witze erzählt wurden. Am ersten Tag nach der Wiedereröffnung sagt der Direktor zum Publikum: „Gestern war die Bühne noch geschlossen. Heute ist sie wieder offen. Aber wenn es hier wieder offen zugeht, wird sie bald wieder geschlossen sein.“
  55. Ein Bauer wird zum Militär einberufen, wo er von den Ausbildern schikaniert wird. „Ach, von euch Bauern sind doch 50 Prozent dämlich!“, lästert ein Ausbilder. „Hoho“, freut sich der Bauer. „Da haben wir uns schon verbessert, denn bei der letzten Wahl waren es noch 99 Prozent.“
  56. Es treffen sich drei Hunde aus den Vereinigten Staaten, der Volksrepublik China und aus der Unabhängigen Republik. Sofort fängt der amerikanische Hund an zu prahlen: „Also bei uns leben alle Hunde wie im Schlaraffenland. Auch einfache Hunde. Wir müssen nur einmal bellen, schon bekommen wir ein Stück Fleisch.“ Der chinesische Hund bekommt große Augen: „Entschuldigung, was ist ‚Fleisch‘ ?“ Der Hund aus der Unabhängigen Republik dreht sich nach links um, schaut, schaut nach rechts, noch einmal nach links und flüstert: „Bitte, was ist ‚Bellen‘?“
  57. Was gibt es für einen neuen Witz? Ein Jahr Gefängnis.
  58. Ein Mann trägt einen Koffer. Kommt ein Polizist und fragt: „Was haben Sie in dem Koffer?“
    „In dem Koffer, da ist die Regierung drin.“
    „Was ist da drin?“
    „Die Regierung.“
    „Öffnen Sie den Koffer!“ Der Mann öffnet ihn.
    „Was“, schreit der Polizist, „da sind ja nur Lumpen drin!“
    „Sag‘ ich doch!“ murmelt der Mann.
  59. Ein Mann fragt den anderen: „Wird die Politik eigentlich besser, wenn das Einkommen der Politiker steigt?“ Der andere: „Klar — die Politik wird dann genau soviel besser, wie ein Brot besser wird, wenn es mehr Geld kostet.“
  60. „Ist es war, dass in unserem Land eine Schnecke schneller vorwärts kommt als ein Pferd?“
    „Leider ja. Denn ein Pferd beherrscht nicht die Kunst des Kriechens.“
  61. Es ist Wahlkampf. Der junge Kandidat der Opposition ist auf dem Lande und redet mit einem Bauern. Je mehr er redet, desto radikaler wird er, bis er schließlich verspricht, die Regierung zu stürzen. Der Farmer widerspricht ihm: „Da bin ich dagegen!“
    „Aber warum denn?“
    „Ich weiß aus Erfahrung, dass junge Schweine, die ich gerade gekauft habe, doppelt so viel fressen wie die, die schon Fett angesetzt haben. Deshalb bin ich für die alte Garnitur…“
  62. Welches ist der Unterschied zwischen einer Telefonzelle und Politik? In der Telefonzelle muss man erst zahlen und darf dann wählen. In der Politik darf man erst wählen und muss dann zahlen.
  63. Ein alter Mann bringt einen Fernseher zur Reparatur: „Der ist kaputt, der lügt immer.“
  64. Die Unabhängige Republik soll ein neues Symbol in ihrer Staatsflagge bekommen: Eine Ziege und einen Stuhl. Wer meckert, muss sitzen.
  65. In der Unabhängigen Republik sind vor dem Gesetz alle gleich. Mitglieder in der Präsidentenpartei sind gleicher, Funktionäre der Präsidentenpartei sind am gleichesten und am allergleichesten ist der Präsident.
  66. Ein Mann geht im zentralen Park der Hauptstadt spazieren. Plötzlich erblickt er ein Mädchen, das von einem Kampfhund angegriffen wird. Er läuft hin und beginnt einen wilden Kampf mit dem Hund. Endlich kann er den Hund töten, das Mädchen befreien und so ihr Leben retten. Ein Polizist hat die Situation beobachtet. Er geht zu dem Mann hin, klopft ihm auf die Schultern und sagt: „Sie sind ein Held! Morgen wird in der Zeitung stehen: Mutiger Hauptstädter rettet Mädchen das Leben!“. Der Mann schüttelt den Kopf und antwortet: „Ich wohne nicht in der Hauptstadt!“. „Oh,“ erwidert der Polizist „dann steht morgen in der Zeitung: „Mutiger Bürger unseres Landes rettet Mädchen das Leben!“. Wieder schüttelt der Mann den Kopf: „Ich komme nicht aus diesem Land!“. Verblüfft schaut der Polizist den Mann an und fragt: „Was sind Sie dann?!““ „Ich komme aus #Platzhalter für beliebiges Land#.“ Am nächsten Tag steht folgende Schlagzeile in der Zeitung: „Extremist aus  #Platzhalter für beliebiges Land# tötet Hund im Zentrum der Hauptstadt. Verbindungen zu Terrornetzwerk vermutet.“
  67. Was ist der Unterschied zwischen einem Patrioten aus dem Nachbarland und einem Patrioten aus der Unabhängigen Republik? Der Patriot aus dem Nachbarland liebt sein Land über alles und er haßt alle diejenigen, die sein Land nicht im gleichen Maße lieben wie er. Ein Patriot aus der Unabhängigen Republik jedoch sieht sein Land mit kritischen Augen, sieht die vielen Unzulänglichkeiten des Landes, sieht den Schmutz in den Straßen, die mangelnde Solidarität zwischen den Menschen und die Korruption in der Politik und Wirtschaft und kann in Anbetracht dieser Punkte sein Land beim besten Willen nicht lieben — er haßt jedoch alle diejenigen, die solche negativen Aspekte der Unabhängigen Republik  und ansprechen und sein Land nicht einfach so lieben wie es ist.
  68. Die Wähler in den USA sind zu beneiden. Wenn in den USA Wahlen stattfinden, dann haben die Wähler die Qual der Wahl zwischen Pest und Cholera. Wenn die Wähler in der Unabhängigen Republik zur Wahl gehen, dann legitimieren sie durch diese Wahl formal Pest und Cholera.
  69. Alkohol ist keine Antwort auf die Frage nach den Lebensumständen und Überlebensstrategien in der Unabhängigen Republik. Aber man vergißt zumindest die Frage.
  70. Ein Staatsbürger der USA und ein Staatsbürger der Unabhängigen Republik kommen miteinander ins Gespräch und vergleichen in diesem die Vorteile und Nachteile des Lebens in den beiden Ländern. Der US-Bürger stellt die Vorzüge einer Meinungs- und Äußerungsfreiheit dar und beschreibt die USA als ein Land, in welchem er ungestraft in der Öffentlichkeit „Nieder mit den USA!“ schreien dürfe. Daraufhin argumentiert der Bürger der Unabhängigen Republik, dass diese ebenso wie die USA ein freiheitlich orientiertes, liberales und tolerantes Land sei, in welchem jeder der wolle straffrei „Nieder mit den USA!“ schreien dürfe.
  71. Zwei Vögel sitzen auf dem Präsidentenpalast. Sagt der eine: „Dieses Jahr wird ein noch fetteres Jahr als das letzte und das war schon besser als das Jahr davor.“ Fragt der andere Vogel: „Wie kommst Du darauf?“ Antwortet der erste: „Na guck‘ Dich doch mal um, überall, wirklich überall ist der Wurm drin.“
  72. Ein Ausländer möchte in die unabhängige Republik einreisen. An der Grenze wird er bei der Passkontrolle nach dem Grund für seine Einreise gefragt: Urlaub oder Geschäftsreise?
    Antwortet der Ausländer: „Ich mache eine Bildungsreise.“
    Fragt der Kontrolleur: „Was möchten Sie denn in unserem schönen Land lernen?“
    „Wie Propaganda funktioniert“, antwortet der Ausländer.
    Der Grenzer zeigt sich irritiert und entgegnet: „In der unabhängigen Republik gibt es keine Propaganda!“.
    „Genau!“, sagt der Ausländer und freut sich.
  73. Das Leben in der unabhängigen Republik ist ungerecht. Den Schönen und Reichen scheint tagsüber, wenn es sowieso schon hell ist, oftmals auch noch die Sonne. Aber nachts scheint den Armen oft nicht einmal der Mond.
  74. In der unabhängigen Republik wird ein Mann mit dem Vorwurf politischen Aufruhr zu verursachen angeklagt. In seiner Verteidigung verweist er auf die ihm durch die Verfassung zugesicherten Rechte und zugestandenen Freiheiten. Fragt ihn der Richter: „Warum zitieren Sie eigentlich so häufig die Verfassung? Sind sie etwa Kommunist?“
  75. Treffen sich zwei Journalisten auf dem Flur des öffentlichen Fernsehens der Unabhängigen Republik. Fragt der eine den anderen:
    „Was sind denn heute Abend die Schlagzeilen in den Nachrichten?“
    „Menschenrechte, jede Menge Menschenrechte!“, antwortet der andere.
    „Menschenrechte in Deutschland, den USA, der Russländischen Föderation oder in Saudi-Arabien?“, fragt der erste nach.
    „Unsere Menschenrechte, natürlich! In der Russländischen Föderation werden die Menschenrechte doch eh‘ nicht beachtet, in den USA gibt es keine Sorge, dass die Menschenrechte nicht beachtet werden könnten und bei Saudi-Arabien können wir es gerade nicht so genau sagen, der Kollege ist nämlich im Urlaub.“
    „Sind die Menschenrechte denn nicht allgemein und gelten diese nicht für alle im gleichen Maße?“
    „Ach, den meisten Menschen kann man es eh‘ nicht recht machen. Da müssen wir mit unserer Expertise für die Nachrichten schon etwas vorsortieren. Und unsere Menschenrechte, also die, nur die, die versteht der Zuschauer.“
  76. Warum werden die Einwohner der Hauptstadt der Unabhängigen Republik nur auf dem Bauch liegend begraben?
    Damit ihnen nicht der Zucker aus dem Arsch fällt, den man ihnen die ganze Zeit über dort hinein geblasen hat.
  77. In der Unabhängigen Republik unterhalten sich zwei Schweine über die Plausibilität von Verschwörungstheorien. Erzählt das eine Schwein dem anderen, dass es von einem Bekannten gehört hätte, dass der Bauer dunkle Pläne mit allen Schweinen verfolge und schon in naher Zukunft alle Schweine umbringen möchte.
    Entgegnet das andere Schwein, dass eine solche Vorstellung eines geplanten Massenmordes an Schweinen ein typisches Beispiel für eine Verschwörungstheorie sei, welche leicht widerlegt werden könne. Denn warum sollte der Bauer alle Schweine tagtäglich füttern, wenn er sie am Ende doch alle umbringen möchte?
  78. Die Stimmung im Land ist im Keller. Das Ansehen der Partei des Präsidenten ist stark angeschlagen. Das Präsidium der Partei beschließt deshalb in Vorbereitung auf die nächsten Wahlen einen radikalen Wechsel beim Image der Partei. Diese soll mittels einer teuren Werbekampagne neue Mitglieder finden und mit Hilfe dieser ein deutlich jüngeres, weiblicheres und toleranteres Image erhalten.
    Der Mehrheit der Wähler würde es aber schon genügen, wenn die Partei in Zukunft kompetenter, glaubwürdiger und weniger korrupt wäre…
  79. Fragt ein Mann den anderen: „Was meinst Du, liegt es an Unwissenheit oder an mangelndem Interesse, dass so viele Menschen ihr Wahlrecht nicht nutzen?“
    Antwortet der andere: „Keine Ahnung. Ist mir aber auch egal.“
  80. Lebensweisheit aller Berufspolitiker: „Nicht das Erreichte zählt, das Erzählte reicht!“
  81. Ein alter Mann liegt im Sterben und läßt den Ortsvorsteher der Partei des Präsidenten holen. Am Sterbebett eröffnet der Sterbende dem Politiker seinen letzten Wunsch: Er möchte in die Präsidentenpartei eintreten. Der Politiker fragt verwundert nach der Motivation für diesen Wunsch. Sagt ihm der alte Mann: „Wenn ich schon sterben muss, dann soll wenigstens auch einer von denen mit mir zusammen dran glauben müssen!“
  82. Wie wird in der Unabhängigen Republik Politik gemacht?
    Politiker belügen Journalisten über ihr Hintergrundwissen, ihre Motive und Pläne, glauben dann den journalistischen Berichten über die Lage im Land und den Einfluss der Politik auf diese Situation und richten im Anschluss ihre Politik an diesen Berichten aus.
  83. In der Unabhängigen Republik kommt ein Mann zum Arzt und möchte von diesem wissen, was er tun müsse, um 100 Jahre alt zu werden. Sagt der Arzt:
    „Sie dürfen nicht rauchen, Sie dürfen keinen Alkohol trinken, Sie dürfen keine Drogen nehmen, Sie dürfen kein sexuell ausschweifendes Leben führen, sondern müssen Ihrer Frau immer treu sein und Sie müssen immer die Partei des Präsidenten wählen.“
    „Wenn ich dies alles tue, dann kann ich 100 Jahre leben?“, vergewissert sich der Mann noch einmal.
    „Das kann ich Ihnen nicht garantieren. Aber es wird ihnen so vorkommen“, antwortet der Arzt.
  84. Völlig egal was über die Unabhängige Republik berichtet wird — es ist wahr.
  85. Lebensweisheit in der Unabhängigen Republik:
    Kritik, die der Zensor versteht, wird zu Recht verboten.
  86. Auf nahezu allen technischen Geräten sind Warnhinweise angebracht: „Vorsicht, elektrischer Strom!“, „Vorsicht, heiße Oberfläche!“, „Vorsicht, gefährliche Inhaltsstoffe!“, „Vorsicht! Nicht ohne Aufsicht benutzen!“ und dergleichen mehr. Nur auf Wahlzetteln, in Wahlkabinen, in Wahllokalen, auf Wahlplakaten und in Wahlwerbespots ist nicht der geringste Warnhinweis angebracht.
  87. Was ist besser, Sozialismus oder Sex?
    Sozialismus, da kann man länger stöhnen.
  88. Ein Mädchen fragt ihren Vater: „Papa, fangen eigentlich alle Märchen mit ‚Es war einmal…‘ an?“ Antwortet der Vater: „Nein, nicht alle. Manche fangen auch mit ‚Wenn ich gewählt werde…‘ an.“