Heutzutage hat man als Hoffnungsträger für eine bessere Zukunft keine Arbeit mehr – man hat Projekte. Diese bringen zwar in den wenigsten Fällen das zum Leben notwendige Kleingeld ein, man kann aber reinen Herzens behaupten, beschäftigt zu sein. In den letzten Jahren habe ich mit einer Reihe von Projekten meine Lebenszeit gefüllt. Einen kleinen Auszug aus dieser stellt die nachfolgende Aufstellung dar:
In einem russisch-deutsch-kasachischen Gemeinschaftsprojekt wurde zusammen mit einheimischen
Jugendlichen nach erhaltenen Spuren von Zwangsarbeit in den aus GULag-Lagern entstandenen Städten Karaganda, Taischet und Magadan gesucht. Hierbei wollte ich als Projektinitiator zusammen mit Freunden aus Kasachstan und der Russischen Föderation die Einstellung junger Menschen zu diesem Teil der Geschichte ihrer Stadt
in Erfahrung bringen und mit ihnen über diese Vergangenheit diskutieren.
Einen Einblick in den Projektverlauf sowie die -ergebnisse gibt das Projektblog auf den diesbezüglichen Seiten der „Geschichtswerkstatt Europa“.
Das Projekt wurde im Sommer 2009 umgesetzt und von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ finanziell sowie der Manfrotto Distribution GmbH materiell gefördert.
Die „Reise auf die Solovki“ war ein von Felix Ackermann initiiertes und von mir begleitetes Forschungsprojekt an der Professur für Geschichte Osteuropas der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), welches im Sommersemester 2001 stattfand und dem Thema des GULag gewidmet war. Im Anschluß an ein Seminar mit Professor Dr. Karl Schlögel und Dr. Gábor Tamas Rittersporn fuhr eine Gruppe von Studenten auf die Solovki-Inselgruppe im Weißen Meer, um sich am Ort des Stammlagers des Archipel GULag ein eigenes Bild vom Untersuchungsgegenstand zu machen.
Weitere Informationen zum Projekt unter: http://www.solovki.org/
Unter dem Arbeitstitel „Taglibro“ verbirgt sich ein persönliches Projekt, welches sich aus der Beobachtung und aus Gesprächen mit Touristen auf meinen Reisen entwickelt hat. Viele dieser Urlauber standen nicht erst seit der Umstellung von analoger Film-Photographie auf digitale Phototechnik vor dem Problem, für ihre individuellen Reisedokumentationen und Reisetagebücher mit der Komplexität der Technologie sowie der Präsentation überfordert zu sein. Hieraus entstand die Idee, weitgehend automatisiert individuelle Reisebilder mit Texten aus Reiseführern und Leistungsbeschreibungen von Reiseveranstaltern zu einer personalisierten Reisedokumentation zu kombinieren. Nach längeren Vorarbeiten an dem Konzept scheiterte dieses vorerst an der unflexiblen Haltung einiger Rechteinhaber für Textinhalte sowie technischen Beschränkungen auf Seiten der Print-On-Demand-Dienstleister. Mit Fortentwicklung der Informationstechnik wird das Konzept in Zukunft vielleicht wieder interessant.
Seit Frühjahr 2005 arbeite ich an einem Dokumentationsprojekt zum Umbau der Hauptstädte in Zentralasien.
Mit der Auflösung der Sowjetunion wurden aus bis dahin weitgehend unbekannten und unbedeutenden Verwaltungszentren in der sowjetischen Peripherie Hauptstädte unabhängiger Staaten. Diesem Wandel in der Bedeutung der Städte begegnen die nationalen Eliten mit unterschiedlichen Entwicklungskonzepten. Allen gemein ist, daß die Hauptstädte sowohl nach innen als auch nach außen identitätsstiftend und -prägend wirken sollen und die Repräsentation gegenüber der Funktion von Gebäuden und Infrastruktur dominiert. Über diese Gemeinsamkeit hinaus unterscheidet sich das jeweilige Vorgehen bei der Ausgestaltung neuer nationaler Zentren recht erheblich.
So ist der Umbau der turkmenischen Hauptstadt Aschgabat durch zwei gleichzeitig stattfindende Prozesse geprägt: Zum einen erfolgt ein Umbau alter Repräsentationsgebäude aus sowjetischer Zeit. Parallel hierzu findet ein Neubau von Repräsentations- und Wohngebäuden neben der bisherigen Siedlungsfläche auf bislang unerschlossenem Grund statt. Dieser Dualismus aus Umbau und gleichzeitigem Neubau läßt sich derzeit nur in Aschgabat beobachten.
Der Aufbau der usbekischen Hauptstadt Taschkent beschränkt sich im Gegensatz zu Aschgabat und Astana derzeit fast ausschließlich auf den Umbau und die Umwidmung bestehender Bausubstanz sowjetischer Repräsentationsgebäude. Dies geschieht mehrheitlich durch die Verkleidung alter Gebäude mit neuen Fassaden und nur im geringem Umfang durch Rückbau oder Umbau bestehender Substanz.
Mit der Verlegung der Hauptstadtfunktion von Almaty nach Astana entstand in Kasachstan der Bedarf für den kompletten Neubau einer Hauptstadt. Astana entsteht seitdem als eine neue Hauptstadt neben einer bestehenden Siedlung durch einen umfassenden Neubau der kompletten Infrastruktur für neu zu errichtende Funktions- und Repräsentationsgebäude.
In den beiden anderen Hauptstädten Zentralasiens — Duschanbe und Bischkek — beschränkt sich der Stadtumbau aufgrund der geringen Wirtschaftskraft der Länder derzeit nur auf geringfügige kosmetische Änderungen an der sowjetischen Bausubstanz.
Bemerkenswert an den hauptstädtischen Bauaktivitäten in Zentralasien ist, daß trotz anderer politischer Vorzeichen die öffentlichen Baumaßnahmen weiterhin dem Entwicklungskonzept der Sowjetunion folgen: Die öffentlichen Gebäude sind Sinnbild, Ausdruck und Ergebnis einer staatslegitimierenden Ideologie und Politik.
Die „Geschichtswerkstatt Taschkent“ war ein von mir initiiertes und zusammen mit Torsten Lorenz und Wilko Schroth durchgeführtes Dokumentations- und Forschungsprojekt, welches 2006 / 2007 in Kooperation mit der Professur für Geschichte Osteuropas an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), Deutschland, sowie in Taschkent, Usbekistan, umgesetzt wurde. Ziel des Projektes war es, den Wandel der Stadt Taschkent im 20. Jahrhundert zu erfassen und zu dokumentieren. Sowohl die Erfassung als auch die Dokumentation dienten gleichzeitig der Ausbildung junger Menschen und haben diese befähigt, Geschichtsbilder zu analysieren, zu hinterfragen und alternative Sichtweisen zu entwickeln. Taschkent als Ort des Projektes wurde ausgewählt, weil die Stadt im 20. Jahrhundert über eine außerordentlich vielschichtige Geschichte mit deutlich sichtbaren Entwicklungsetappen verfügt. Sieht man die Veränderungen des urbanen Raumes als einen Spiegel des gesellschaftlichen Wandels, so ist Taschkent mit seinen verschiedenen Hauptstadtfunktionen, Bau- und Urbanisierungsschüben eine der interessantesten Städte auf dem Gebiet der untergegangenen Sowjetunion.
Weitere Informationen zum Projekt unter: http://taschkent.euv-ffo.de/
Unter dem Arbeitstitel „Die Neue Seidenstraße“ arbeite ich seit einiger Zeit an dem Konzept eines Forschungsprojektes, welches die aktuellen Warenaustauschbeziehungen zwischen Asien und Europa über die historischen Routen durch Zentralasien zum Untersuchungsgegenstand hat.
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