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Bilder Ukraine

Grenzübergang Medyka — Schegini;
Lemberg,
Mai 2005
Zu diesem Bild mit der abgebildeten Grenzanlage gibt es eine kleine Geschichte:
Bei den politischen Umbrüchen der letzten Jahre und der Marktöffnung nach innen hat die Ukraine vergessen,
ihr Grenzregime an menschenfreundliche Konzepte anzupassen. In diesem Punkt steht sie der Europäischen Union
aber in nichts nach. Wer das Gelaber der EU-Politiker über Menschenrechte und unwürdige Grenzregime einmal in
der Praxis evaluieren möchte, der nehme bitte den Grenzübergang Medyka — Schegini (bei Przemysl) zu Fuß. Nett
dort. Dank Tierschutzgesetzen wird in Deutschland Vieh besser behandelt als die Grenzgänger dort. Viehgatter
mit Schiebetoren dienen der Regulierung der Massen, welche bei Wind und Wetter im Freien, eingesperrt zwischen
den Gattern, stundenlang warten müssen. Dabei wäre Abhilfe in Form von Überdachung und Einführung von Laufzetteln
wie seinerzeits in Brest oder Grodno leicht möglich. Aber die Ameisen (Grenzgänger, die vom Schmuggel bzw.
Warentransport im kleinen Grenzverkehr leben) sind ja keine Menschen und außerdem muß der Kleinschmuggel auf
diese Art und Weise so unattraktiv wie möglich gestaltet werden. Dabei werden von den Grenzern Kollateralschäden
in Form von kleinen Schlägereien um die bessere Position in der Schlange achselzuckend in Kauf genommen. Im
Gegensatz zum Photographieren, das wird nämlich nach wie vor nicht gerne gesehen. ;)) Dafür hat es aber die
erhoffte beschleunigende Wirkung für meine Grenzabfertigung gehabt ;>
Schneller bin ich bis dahin noch aus keinem Land abgeschoben worden, auch nicht aus Weißrußland, wo ich ähnliche
Erfahrungen sammeln durfte. ;) Einer der Oberpaviane der ukrainischen Grenztruppen wollte sich unbedingt gegenüber
dem Schwung Frischfleisch in seinem Arbeitsbereich profilieren und den jungen Hühnern vom Lande mal zeigen, wie
man mit einem solchen Typen umgeht, der es wagt, gegen die Regel des Grenzregimes zu verstoßen. Also wild herumgekräht,
die Azubienen ;) kirre gemacht und mich zum Oberoberpavian mit dem vielen Lametta auf Brust und Schulter geschleift.
Der Obermufti war überraschend für mich eine Frau und überraschend für Kollege Subaltern Namenlos hatte sie einen
guten Tag und hat sich mit mir nett über Odessa und das Photographieren von schönen Städten in der Ukraine unterhalten.
Als Fazit des Geplauders durfte ich den Film behalten und statt dessen die Sonderbehandlung durch Zoll und Paßkontrolle
erleben. Die Kollegen waren ob der Menschenfreundlichkeit ihrer Chefin ganz erstaunt und wollten es sich mit ihr nicht
verscherzen und haben deshalb das Schonprogramm gefahren: Kein Auspacken meiner Taschen, sondern nur ein tiefes
Indieaugengucken und mit ernster Stimme nach Waffen, Drogen, Frauen und anderen unerwünschten Handelsgütern fragen und
auf das Nein des Spions erleichtert tiefdurchatmend den bösen, militärische Sicherheitsanlagen photographierenden Ausländer
an die Polen abschieben. Vorher noch eine der Junguniformierten anleiten wie sie meine Paßdaten in den Fahndungscomputer
einzutippen hat und fertig. In der Theorie.
Wenn man vorher viel herumbrüllt, dann ist die kleine Unschuld vom Lande ganz verängstigt und vertippt sich ganz doll
bei einer solchen wichtigen Sache wie einem Personalvermerk. Da kann es dann schon einmal vorkommen, daß der Name falsch
geschrieben wird, das Geburtsdatum einen anderen Monat und ein anderes Jahr erhält und der Vermerk den Speichervorgang
nicht überlebt. Obersergant Brüll konnte mit diesem kleinen Flimmerkasten aber auch nicht umgehen, so daß wohl jetzt ein
toter Datensatz in den Datenmeeren der ukrainischen Abwehr herumgeistert. Der Arme. (Da ich aufgrund der Sonderbehandlung
nicht vor dem Schalter, sondern hinter diesem stand, konnte ich mir dieses Trauerspiel live und in Farbe angucken.)
Da die Polen und Ukrainer aber über Sonderbehandlungen in ihrem Zuständigkeitsbereich nicht miteinander reden, beschränkt
sich meine diesbezügliche Erfahrung auf polnischer Seite auf die Laufgitter und Selektionsoffiziere im Eingang des
Abfertigungsgebäudes. Ein Arzt war weit und breit nicht zu sehen, was für ein Glück ;>
Mitgerissen vom Strom der Ameisen stand ich dann ein paar Viertelstunden später vor einer adretten Uniformfetischistin und
lies mich sklavisch von ihr ausfragen. Woher, wohin, was ich da will, was ich alles mit dabeihabe, etc.. Geblendet von der
Schönheit meiner kleinen Photoausrüstung wollte sie in dieser versteckte und verbotene Materialen finden und ließ sich deshalb
alle Objektive, Beutelchen und Täschchen vorzeigen — umsonst. Den kleinen
silbernen Kasten mit dem Apfel-Logo und seinen 2kg unterhalb der drei Knipsen hat sie nicht gefunden, trotz intensiver
Bemühungen diesem verlausten Weltenbummler einen längeren Aufenthalt am Tor der Wahrheit zu verschaffen.
Angezogen von dieser Menschenfreundlichkeit konnte ich natürlich nicht anders, als mir diese intime Bereitschaft zur
Rechtsberatung länger anzugucken. Und siehe da, mit Sportmagazinen und anderen Zeitungen läßt sich Geld verdienen, wer hätte
das gedacht. Zumindest einige der Druckerzeugnisse der Ameisen waren werthaltig ;) und das so sehr, daß der Zöllner diese
gleich konfiszieren mußte. Zumindest teilweise. Die Zeitung gab es dann entweder nach einem kurzen Gang ins Dienstzimmer wieder
oder sie landete im Mülleimer, wahrscheinlich als Schmutz- und Schundfabrikat imperialistischer Verlagsgruppen. ;)
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