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Bilder Moskau

Das Gebäude des Außenministeriums der Russischen Föderation bei Nacht;
Moskau, März 2004
Für mich ist die Entstehungsgeschichte dieses Bildes aus dem Rückblick eine der lustigsten, die ich von meinen Reisen in der Russischen Föderation erzählen kann: Obwohl ich dieses Motiv schon ein paar Tage vorher photographiert hatte, wollte ich es in einer der wenigen sternenklaren Nächte in Moskau noch einmal probieren. Bei meinem ersten Versuch war es so windig, daß ich einige Zweifel an der Verwacklungsfreiheit dieser Bilder hatte. Bei Verschlußzeiten von mehreren Sekunden macht sich ein kräftiger Windstoß an meiner Wundertüte schon bemerkbar, so dachte ich. Wer sich dann aber bemerkbar machte, kaum daß ich mein Stativ in der diesmal windstillen Nacht aufgebaut und die erste Belichtungsreihe geknipst hatte, waren dann aber zwei Herren in Zivil. Zuerst habe ich den alten klapprigen Wolga ignoriert, der hinter mir auf der Brücke hielt. Auch die der schwarzen Limousine entsteigenden Herren stufte ich auf den ersten Blick als nicht weiter bedeutsam ein, bis einer der beiden mich dann ansprach. Anfänglich glaubte ich, er wolle mich nach der Uhrzeit oder ähnlich Belanglosem fragen und wandte ich mich, nachdem ich nicht verstanden hatte was genau er wollte, seelenruhig wieder um und einer zweiten Belichtungsreihe zu. Dies ermutigte ihn, sich diesmal etwas energischer als Mitarbeiter des FSB (Federalnaja Sluschba Besopasnosti — russischer Inlandsgeheimdienst) vorzustellen und durch seine Körperhaltung die Bedeutung einer kleinen Bleispritze Marke Kalaschnikow in seiner Hand zu unterstreichen. Sein Kumpel hatte auch ein solches Spielzeug dabei und hielt es locker in der Armbeuge. Bei ihm fiel es aber nicht so auf, weil sein Unterarm mit der Größe meines Unterschenkels seine Egostütze fast komplett verdeckte. Die beiden Boxergesichter hinterließen mit ihren zerbeulten Anzügen bei mir jedoch keinen vertrauenserweckenden Eindruck, so daß ich schockartig eine temporäre Amnesie erlitt. Ich konnte mich beim besten Willen weder daran erinnern jemals Russisch verstanden oder gar sprechen gekonnt zu haben noch wo sich gerade meine Papiere befanden. ;>
Dummerweise konnten die beiden Schlägertypen mit ihrem hübschen FSB-Ausweis neben Russisch bestenfalls Straßenslang, jedoch keine Fremdsprache, so daß es ihnen sogar schwer fiel, mir zu erklären, was das KGB sein soll. (Als blöder Tourist kann ich doch nicht wissen was der FSB ist und vom KGB als dessen Vorgänger habe ich auch noch nie etwas gehört. ;>) Zumindest hat der mit ca. 1,90m deutlich kleinere der beiden versucht, mir darzulegen, von welcher Organisation die beiden sind und was sie von mir wollten. Hätte er es mir auf Russisch erklärt, hätte ich es sicherlich verstanden, aber er wollte unbedingt seine rudimentären Schulenglischkenntnisse vorführen. ;>
Fazit: Die beiden wollten zum einen, daß ich mich ihnen gegenüber ausweise, ihnen dann erkläre warum und zu welchem Zweck ich das Außenministerium photographiere und für welchen Dienst ich arbeite sowie mein sofortiges sofortiges Verschwinden von diesem Ort erreichen. Da ich in den ersten Minuten doch eher um meine komplette Ausrüstung fürchtete und auch keine Lust hatte meinen Paß* vorzuzeigen, kam ich der auch nonverbal verständlich gemachten letzten Aufforderung nach. Währenddessen habe den Kerlen versucht klar zu machen, daß ich schräg gegenüber im Baltschug — Kempinski wohnen würde und meine Papiere dort hätte und wir deshalb zusammen dorthin gehen könnten, um mit Hilfe eines Dolmetschers und im Lichte der Lobby ihr Problem mit meinen Aufnahmen zu klären. Diesen Vorschlag fanden sie überzeugend und ließen mich trotz ihrer hierdurch offensichtlich werdenden Ortsunkundigkeit zu Fuß die rund 100 Meter alleine gehen. Sie ihrerseits setzten sich in ihre Rostlaube und mußten erst eine kleine Ehrenrunde um das Nachbargebäude drehen, bevor sie dann alleine mit ihrem Kriegsgerät im Foyer der Luxusherberge standen und ein nettes Pläuschchen mit dem dortigen Sicherheitschef hielten. Aus sicherer Entfernung sah es nicht so aus, als ob sich dieser über das Interesse seiner Gäste an den FSB-Gorillas freute. Das Ende der Unterhaltung wollte ich dann aber doch nicht abwarten und habe es vorgezogen, mich anderweitig nach interessanten Motiven umzusehen**. ;)
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