Bilder aus Kirgistan

Kir­gi­stan ist eines der Län­der deren eigen­stän­dige Exis­tenz unter volks­wirt­schaft­li­chen Gesichts­punk­ten der­zeit getrost als Trep­pen­witz der Geschichte bezeich­net wer­den kann. Eine sol­che Posi­tion bringt zwei­fels­frei laut­star­ken Pro­test von kir­gi­si­schen Natio­na­lis­ten ein. Bis­lang hat mir jedoch noch nie­mand der dies­be­züg­lich Befrag­ten schlüs­sig erklä­ren kön­nen, wie das Land ohne nen­nens­werte Roh­stoff­vor­kom­men, ohne indus­tri­elle Basis sowie ohne eine auch nur durch­schnitt­lich hohe Qua­li­fi­ka­tion der arbeits­fä­hi­gen Bevöl­ke­rung in Kon­kur­renz zu ande­ren Volks­wirt­schaf­ten der­zeit und in abseh­ba­rer Zukunft in der Lage sein soll, auch nur die bestehende tech­ni­sche und soziale Infra­struk­tur auf­recht zu erhal­ten. Von einem not­wen­di­gen Aus­bau sowohl der har­ten als auch wei­chen Infra­struk­tur sowie der indus­tri­el­len Basis ganz zu schwei­gen.

Damit stellt sich die Frage: Wie kann und soll die Eigen­stän­dig­keit eines Staa­tes gewähr­leis­tet wer­den, wenn die Höhe des von den Staat­bür­gern pro­du­zier­ten Inlands­pro­duk­tes nicht aus­reicht, um den aus der Zeit der Sowjet­union geerb­ten Bestand an Kran­ken­häu­sern, Schu­len, Stra­ßen, Was­ser- und Ener­gie­ver­sor­gung zu erhal­ten? Oder anders gefragt: Gegen wel­che in Kir­gi­stan pro­du­zier­ten Waren und Dienst­leis­tun­gen tauscht das Land heute und in Zukunft Kühl­schränke, Fahr­zeuge, Medi­ka­mente, Com­pu­ter und Tele­fone ein?
Mei­ner Mei­nung nach ver­dient ein Land, wel­ches in abseh­ba­rer Zukunft keine aus­ge­gli­chene Han­dels­bi­lanz auf­wei­sen kann, nicht die Bezeich­nung „unab­hän­gig“.